Durch einen Tipp beim Stammtisch Stuttgart erfuhr ich von Albrecht Müller. Dieser hielt am Montag, 23.11.2009 einen Vortrag im Theaterhaus Stuttgart. Müller ist 71, ehemaliger Bundestags- abgeordneter, zusammen mit und Dr. Wolfgang Lieb Betreiber der NachDenkSeiten und Buchautor von „Machtwahn: Wie eine mittelmäßige Führungselite uns zugrunde richtet“ und „Die Reformlüge: 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren“.
Sein drittes Buch ist „Meinungsmache: Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen“.
Viele Menschen haben erkannt, dass über ihre Köpfe hinweg regiert wird. Mit systematisch inszenierten Kampagnen wird die öffentliche Meinung beeinflusst. Albrecht Müller deckt diese Inszenierungen in seinem Buch hervorragend auf. Er zeigt, wer die Kampagnen steuert, warum wir dadurch zu unmündigen Bürgern geworden sind und was wir dagegen tun können.
An diesem Abend konnte er natürlich nur einige wenige Beispiele anführen, hat aber deutlich erkennen lassen, dass das Buch nur so von Beispielen platzt. Einige davon sind:
- Die Privatisierung des Bildungswesens („unternehmerische Hochschule“)
- Stimmenlosigkeit der sozial „Schwächeren“
- Schwindel um den Fall des Generationenvertrags und die „Alternativangebote“ der privatven Versicherungswirtschaft
- Wirtschaftskrise ohne Konsequenzen
Kurz: Bei der totalen Ökonomisierung aller Lebensbereiche unter dem Deckmantel der Effizienz läuft einiges schief. Müller kommt zu folgenden Schlüssen:
- Die öffentliche Meinungsbildung wird von kleinen Zirkeln mit großen Interessen bestimmt.
- Mittels strategisch geplanter Kampagnen wird gezielte Desinformation betrieben.
- Das geschieht so lange, bis alle der transportierten Botschaft glauben.
- Kleine Machteliten betreiben den Ausverkauf unseres Landes, des öffentlichen Vermögens und auch privater Unternehmen.
- Das Gemeinwohl hat abgedankt, das Profitinteresse triumphiert.
- Wir haben keine demokratischen Verhältnisse (mehr).
- Die Macht des Verbrauchers ist längst nicht so groß wie es ihm vorgegaukelt wird.
… Es sei denn, er vernetzt sich. Dafür bietet das Netz viele Möglichkeiten. Mittlerweile gibt es 100 vor Ort arbeitende Nachdenkseiten-Untergruppen.
Müller fragt auch, ob noch mehr hinter diesem Irrsinn steckt: Fremdsteuerung, zweckgebundene Meinungsmache und Manipulation, TINA-Prinzip sind für ihn die Schlagwörter. Er kommt zu Namen wie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Bertelsmann Stiftung, die gezielte Kampagnen durchführen, um die Öffentlichkeit zu täuschen.
Mein persönlicher Eindruck von Armin Müller ist sehr positiv. Schade ist aber, dass er an manchen Stellen nicht zu den Wurzeln der Probleme kommen will bzw. dafür keinen Anlass sieht. Gefragt nach den Problemen des Geldsystems an sich, sah Müller keinen Anlass dafür, an dem System selbst zu rütteln.
Als Hinweis für die Käufer seines neuen Buches: Von der Problematik des Zinses hat er offenbar noch nichts gehört. Müller beschreibt und ergründet die Symptome gründlich und anhand zahlreicher Beispiele. Trotzdem ist seine Arbeit wichtig. Die Art und Weise, die endlosen Beispiele, von denen jedem Leser irgendetwas bekannt vorkommen muss, wenn man in den letzten Jahren nur am Rande dem Fernseher gelauscht hat, wird jedem Mauerblümchen die Augen öffnen.
Weitere Ressourcen:
- Wir haben keine demokratischen Verhältnisse mehr (Spiegel Online, 2009)
- Radiointerview mit Michael Langer (Deutschlandfunk, 2007)

Nur der Irak und der Iran haben es in der Vergangenheit gewagt, das Finanzmonopol der USA anzugreifen, indem sie Öl nicht mehr nur ausschließlich in Dollar gehandelt haben. Vor einem Jahr habe ich in meinem 
Igor Nikolaev, Direktor der Strategischen Analyse Abteilung der Firma FBK: „Ich denke, dass war mehr eine politische Aussage, als eine ökonomische Entscheidung. Es gibt ein dominierendes allgemeines Gefühl, dass die Vereinigten Staaten die Wurzel allen Übels sind, also aufhören den Dollar zu benutzten.“
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