13
Nov
08

Die heterogene Gemeinschaft?

Menschen sind verschieden. Das ist gut. Doch wer in der Gegenwart lebt und etwas genauer auf seine Mitmenschen, den Umgangston im Allgemeinen und nicht zuletzt die Politik achtet, der wird sehr rasch bemerken, dass uns aus unserer Verschiedenheit oder Andersartigkeit ein Strick gedreht wird: Da gibt es zum Beispiel die Menschen, die sich durch herablassende Bemerkungen über andere erhöhen und sich dann besser fühlen. Das Fernsehen schickt Sozialfahnder raus um „faule“ Arbeitslose aufzuspüren. Die Politik spricht heute über Klimawandel und morgen über Familien. Andere wiederum streiten über Islam und Religion. Wieder andere äußern sich gar nicht. Die Meinungen sind breit gestreut, die Medien regen zum „Mitschimpfen“ an und keiner bemerkt mehr, wie wir gegeneinander ausgespielt werden. Man möchte uns weiß machen, dass wir unfähig zu Übereinstimmung und Gemeinschaft sind.

Das zeigt sich nicht nur im Umgang miteinander sondern auch in der (Lohn-) Arbeitswelt: Da werden doch glatt Menschen klassifiziert. Ganz nach der Devise: Einmal Bäcker – immer Bäcker. Nur weil der junge Mann mit 15 eine Bäckerlehre machte, muss er bis zum Lebensende Bäcker bleiben? Vielleicht entdeckt er mit 20 sein Talent für Kinderbetreuung? Oder im akademischen Bereich: BWLer beispielsweise gehen je nach Spezialisierung in Logistik, Personal, Marketing oder Controlling und sind meist mit dem ersten Job auf eine Branche festgelegt. Personaler und Vermittler sortieren Wunschkandidaten aus dem zahlreichen Bewerberangebot heraus und treffen ihre Entscheidungen nach eben diesen Spezialisierungen. „Nie im Bereich Automobil gewesen, na dann klappt es auch nicht mit dem Job bei diesem Kunden, der ist ja ein KfZ-Zubehör-Lieferant“. Niemand scheint heute mehr zu schätzen, dass Unterschiede auch Kreativität, Motivation und Produktivität in sich bergen, und dass in einer Gemeinschaft einer vom anderen lernen und sogar von anderen Herangehens- und Denkweisen profitieren kann.

Fast jeder von uns spürt schon heute, dass wir einander brauchen, dass wir etwas gemeinsam haben. 

Obwohl wir alle egoistische Einzelgänger sind, gruppieren wir uns doch vermehrt zu kleinen Gemeinschaften zusammen. Wir haben Freunde aus unserer Firma, die auch keine Lust mehr haben dort zu arbeiten. Wir leben unseren Gemeinschaftssinn im Verein oder als Fan einer Fußballmannschaft – zur Fußball WM 2006 war Deutschland im Grunde eine heterogene Gemeinschaft: Metzger und Banker, Kinder und Omas, Linke und Rechte – viele lagen sich in den Armen und haben gemeinsam gefeiert. Die Unterschiede waren null und nichtig und für Augenblicke sekundär – man hatte ein gemeinsames Thema. Das zeigt, dass wir Menschen dazu fähig sind, über unsere gelernten Grenzen und Konventionen hinaus zu gehen. Warum sollten wir nicht das wieder erwecken, was wir bei gemeinsamen Erlebnissen empfanden? Warum nutzen wir nicht das eine uns alle verbindende Glied: eine „gemeinsame Zukunft“ in einer heterogenen Gemeinschaft.

Alleine die heterogene Gemeinschaft bietet eine echte Chance für Modernität, Kreativität, zukunftsweisende Perspektiven und letztlich auch Erfolg! Allerdings erfordert diese auch, dass jeder als Individuum agiert und andere Individuen respektiert. Das impliziert, dass keiner besser oder schlechter ist, keiner erfolgreicher oder produktiver, keiner schöner oder hässlicher. Jeder lässt jeden leben und freut sich an dessen Andersartigkeit und sieht diese als Chance und Bereicherung für sich selbst.

Darum sollten wir eine solche heterogene Gemeinschaft anstreben!

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