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Nov
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Mut zur Veränderung (1) – Verantwortung übernehmen

Als ich noch komplett im Hamsterrad lief (ich bin immer noch drin, aber ich habe schon mal den Ausgang gefunden und auch schon ein Bein draußen), da bin ich auch all diesen wunderbaren Träumen hinterher gerannt, die uns die Werbung vermittelt (mein Haus, mein Auto, mein Boot u.s.w). Mit einem normalen Job als Angesteller war so etwas leider nicht zu verwirklichen und da wird man schon kreativ und beginnt verschiedene Möglichkeiten abzuwägen. Banküberfall (zu gefährlich), reiche Frau heiraten (wer weiß was die als Gegenleistung von mir will) oder regelmäßig Lotto spielen (ja das war es!!). Also schön brav jede Woche den Schein ausgefüllt und von Woche zu Woche auf die richtigen Zahlen gehofft. Und irgendwann habe ich mal den Taschenrechner genommen und zusammengerechnet, was ich pro Jahr für dieses Vergnügen (nicht meins, sondern das der Lottogesellschaft) ausgebe.

Zu diesem Zeitpunkt haben mich auf Plakaten oder in Zeitungsanzeigen immer wieder Kinderaugen angesehen und für die Übernahme einer Patenschaft in der 3. Welt gebeten. Und plötzlich war der Wunsch da, mit dem bisher sinnlos verprassten Lottogeld etwas sinnvolles zu tun, Verantwortung für andere zu übernehmen denen es nicht so gut geht und ich habe mich dann ausführlich informiert, welche Organisationen seriös und zuverlässig Kinderpatenschaften vermitteln. 

Meine Frau und ich haben uns dann für die Kindernothilfe entschieden und für 30,- € pro Monat und Kind die Patenschaft für einen Jungen in Swaziland und ein Mädchen in Indien übernommen. Wir bekommen regelmäßig Informationen über die Projekte mit denen die Kinder und ihre Familien unterstützt werden und freuen uns ganz besonders, wenn wir einen persönlichen Brief der Kinder bekommen.

Unjela ist 11 Jahre alt und lebt in Ranchi am östlichen Rand Zentralindiens. Ihr Vater bewirtschaftet etwas Land, die Mutter kümmert sich um den Haushalt und um ihre 3 Geschwister. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind sehr ärmlich (Monatseinkommen umgerechnet ca. 12,- €). Unjela geht in die 5. Klasse einer Mädchenschule, ist sehr fleißig, an naturwissenschaftlichen Dingen interessiert und möchte später einmal studieren. Sie schreibt uns regelmäßig und verziert ihre Briefe mit wunderschön gemalten Blumen. 

Menzi ist 13 Jahre alt und lebt in Swaziland, einem der ärmsten Gebiete in Afrika. Seine Eltern sind verstorben und er lebt zusammen mit seiner Großmutter in einem Haus, das man kaum noch als solches bezeichnen kann. Swaziland hat mit ca. 40% der 15- bis 49-jährigen die höchste Aids-Infizierungsrate der Welt. Wie viele Jungs in Afrika, spielt er mit seinen Freunden begeistert Fußball, kümmert sich aber auch um den Garten. Sein Berufswunsch ist Soldat, was in einer von Gewalt und Armut gebeutelten Region nachvollziehbar ist. Aber da werde ich wohl noch etwas Überzeugungsarbeit leisten müssen, dass es noch andere Berufe gibt, die dem Gemeinwohl besser dienen. 

Vielleicht haben meine Frau und ich irgendwann mal die Möglichkeit, unsere Patenkinder persönlich kennenzulernen, sie einfach so von Mensch zu Mensch in den Arm zu nehmen und ganz fest zu drücken. Wenn ich an die beiden denke, dann werden vermeintlich wichtige Dinge des Alltags plötzlich zur Nebensache und in meinem Herzen fühle ich ein wunderschönes Gefühl der Verbundenheit. Und an dieses Gefühl kann man sich ganz schnell gewöhnen und möchte es mit allen Menschen auf diesem Planeten teilen.

Nur wenn wir die sorgfältig in unsere Köpfe implantierten Glaubenssätze und Verhaltensmuster auflösen können und erkennen, dass wir alle miteinander verbunden und somit Teil des Ganzen sind, werden wir die dringend erforderlichen Veränderungen unserer Gesellschaft friedlich erreichen können. Der Wunsch für Veränderungen muss bei allen Menschen von innen heraus kommen und durch das eigene Verhalten anderen gegenüber auch entsprechend vorgelebt werden. Dabei sollten Toleranz, Mitgefühl und Verantwortung für das Gemeinwohl an erster Stelle stehen. 

So, dies war der erste Artikel mit dem Thema „Verantwortung übernehmen“. Fortsetzung folgt.

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3 Responses to “Mut zur Veränderung (1) – Verantwortung übernehmen”


  1. 17. November 2008 um 16:46

    Klasse Idee! Luke, das wird bestimmt eine gute „Reihe“ von Dir !!!

    🙂

    Lustig ist, dass Dich bislang noch gar nicht alle „gesehen“ haben…
    hey, im nächsten Video, ok !!!??? 😉

    realwanda hat übrigens auch ein süßes Patenkind… vielleicht berichtet sie ja mal…
    es gibt so viele wunderbare Dinge, die wir alle tun können!!! 🙂

    Mit dem „Mut zur Veränderung“ bliebe gar keine Zeit mehr für Kriege, Hass, Unterdrückung usw.

  2. 2 jo.schmidt
    17. November 2008 um 16:51

    hey, das ist super erfreulich und loblich dein Engagement.
    30 € ist bei weitem gar nicht so wenig und definitiv tausend mal besser angelegt als solch dumme Glücksspiele.

    weiter so 😉

  3. 3 realwanda
    17. November 2008 um 20:52

    Hallo Luke!
    Ja, macflorian hat Recht, auch ich – also wir beide zusammen – haben ein Patenkind.
    Rokeya lebt in Bangladesch und ich unterstütze sie via WorldVision. Ich habe die Patenschaft begonnen, als ich selbst noch ziemlich erfolgreich die Karriereleiter hinauf stolperte aber schon zu verstehen begann, dass irgendetwas nicht stimmt. Als jeden Monat in meiner Firma der „Headcount“ gezählt wurde und mein Chef versuchte die Europazentrale mit noch besseren Zahlen als den geforderten zu überraschen. Nicht zum Profit der Firma alleine – sondern für seinen ganz persönlichen. Ich hatte damals das Gefühl, dass ich etwas tun muss. Mir waren die „Hockeystick-Visionen“ – also der Traum vom unaufhörlichen Wachstum im Unternehmen ein Graus.
    Da fiel auch mir eine Werbung – in meinem Falle von WorldVision – in die Hände und ich beschloss, dass dort 30€ im Monat gut aufgehoben sind – weil sie nicht nur Rokeya und ihre Familie, sondern das ganze Projekt unterstützen. Das nennt sich hier Hilfe zu Selbsthilfe: zum Beispiel wird einer Familie ein Hühner-Pärchen „gesponsort“, aus dem Pärchen wird eine Hühnerfamilie und bald hat die Familie eine Hühnerzucht, kann Fleisch und Eier verkaufen und davon ihren Lebensunterhalt weitgehend bestreiten.
    Selbst als ich arbeitslos wurde und auch heute, wo 30€ im Monat viel Geld für uns ist, unterstütze ich Rokeya. Auch wenn wir nur ein bis zwei Mal im Jahr einen Brief erhalten, freuen wir uns, dass es dem Mädchen gut geht. Besonders freut es mich, wenn dem Brief wieder ein Bild beiliegt – Rokeya war 4 als wir ihre Pateneltern wurden und ist heute 8 Jahre alt – und wir sehen können wie sie sich entwickelt!
    Und guter Tipp, Luke – ich werde auch gleich meine Lottoscheine stornieren – lieber noch ein zweites Patenkind…


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