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Guten Appetit – Glutamat, Formfleisch und Co.

bild1Damit ein Fertigprodukt für die schnelle Küche wie z. B. die Tütensuppe überhaupt nach etwas schmeckt, wird meistens der Geschmacksverstärker Glutamat zugesetzt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Gewürz, sondern um einen  künstlichen Stoff, der z. B. in Schweden als so gefährlich eingestuft wird, dass er als Nahrungsmittelzusatz schon längst verboten wurde. Glutamat gilt dort als Gehirnzerstörer, weil es als suchterzeugende Aminosäurenverbindung über die Schleimhäute direkt ins Blut gelangt und die besonders kleinen Moleküle problemlos die das Gehirn schützende Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Glutamat stört u. a. die Funktion des Stammhirns und erzeugt ein künstliches Hungergefühl, das wohl jeder kennt: Man möchte nur ein paar Kartoffelchips essen und plötzlich ist die ganze Tüte leer, weil man nicht mehr aufhören konnte. Glutamat kann aber auch Schweißausbrüche, Magenschmerzen, Bluthochdruck, Herzklopfen, Migräne, Konzentrationsstörungen oder Einschränkungen der Sinneswahrnehmung hervorrufen. Bei Allergikern kann es sogar zu epileptischen Anfällen oder zum Tod durch Atemlähmung kommen.

Nachdem Geschmacksverstärker immer häufiger in der Kritik stehen, haben natürlich auch die Lebensmittelkonzerne darauf reagiert und preisen die neuesten Fertigprodukte lautstark „ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern“ an. Als aktuelles Beispiel nehmen wir mal die Tütensuppe „Maggi Natur pur“ von Nestle. Das tolle an der deutschen Lebensmittelgesetzgebung aus Sicht der Hersteller ist, dass sie einen Zusatzstoff auf der Verpackung nicht mehr aufführen müssen, wenn er in einem anderen Stoff enthalten ist. Im konkreten Fall steht auf der Verpackung Hefeextrakt und das gilt laut Gesetzgebung nicht als Zusatzstoff, sondern als natürliche Zutat. Doch genau dieses Hefeextrakt enthält Glutamat und dient somit auch bei dieser Tütensuppe als Geschmacksverstärker. Auch Bezeichnungen wie „Speisewürze“, „gekörnte Brühe“, „Milchzucker“ oder einfach nur „Aroma“ sind irreführend, weil auch sie Glutamat enthalten können. Selbst Bio-Hersteller nutzen diesen Sachverhalt aus und setzen Glutamat auf dem Umweg über das Hefeextrakt zu. Und wieder wird der Verbraucher legal und mit rechtlicher Rückendeckung belogen und betrogen.

Wer heute in einer Gaststätte, in einem Bistro oder einer Kneipe preiswert essen gehen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er im unteren Preisbereich auch dort nur noch Fertigprodukte auf seinem Teller findet, die schön dekoriert nach mehr aussehen, in Wirklichkeit aber mit natürlichen Lebensmitteln nicht mehr viel zu tun haben. Auch in der Profiküche muss heute alles schnell gehen und darf nicht viel kosten. Die Lebensmittelindustrie hat sich voll auf  diesen Trend eingestellt und der Bereich der Fertigprodukte boomt. Wenn wir als Verbraucher billig essen gehen wollen, dann bekommen wir eben auch nur die Qualität für die wir bereit sind zu bezahlen. Und beim Schnitzel mit Pommes und Salat für 8,90 € bekommen wir dann eben kein natürlich gewachsenes Schweinefleisch, sondern aus Verschnitt von Schlachterzeugnissen und Enzymen hergestelltes Formfleisch und das Salatdressing kommt fix und fertig inkl. Konservierungsstoffen und Geschmacksverstärker aus dem 5 Liter Eimer. Dabei muss sich jeder selber fragen, ob Geiz auch dann noch geil ist, wenn es um die eigene Gesundheit geht.

Wenn man bedenkt, dass wir schon als Kinder mit diesen ganzen Zusatzstoffen in Berührung kommen und diese über Jahrzehnte konsumieren, dann ist es nicht verwunderlich, dass sich auch unsere Geschmacksnerven daran gewöhnen und uns zu 100% biologisch und vollkommen natürlich angebaute Lebensmittel überhaupt nicht mehr schmecken. Um gegen diese fatale Entwicklung etwas zu unternehmen, haben europäische Profiköche die Stiftung Eurotoques gegründet und bieten z. B. Geschmacks- und Ernährungserziehung für Schulen und Kindergärten an, um Kindern den Zugang zu einer sinnvollen und schmackhaften Ernährung zu ermöglichen, ihre Grundhaltung zu einer frischen, regionalen und gesunden Ernährung zu fördern und die Esskultur innerhalb und außerhalb der Familie zu fördern. Über 700 europäische Eurotoques Spitzenköche haben sich inzwischen dazu verpflichtet, in ihren Restaurants keine industriell hergestellten Speisen anzubieten und ohne den Einsatz von Geschmacksverstärkern zu kochen. Mit zahlreichen Aktionen kämpfen Sie in ihren Ländern und auch bei der EU in Brüssel für die Reinheit der Lebensmittel und gegen die Verfälschung durch die Nahrungsmittelindustrie. 

Viele interessante Informationen rund um den Etikettenschwindel bei Lebensmittel finden Sie auf den Seiten abgespeist.de und foodwatch.de.

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2 Responses to “Guten Appetit – Glutamat, Formfleisch und Co.”


  1. 11. Juni 2009 um 13:25

    kranke Welt … Selbstversorger werden da doch etwas mehr Schutz geniessen – zumindest etwas.


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